Im Flugzeug nach Barcelona

Der lang ersehnte Tag ist endlich da und ich fliege nach Barcelona. Julian holt mich am Flughafen ab. Ich freue mich wahnsinnig auf ihn und die Zeit zusammen. Gleichzeitig wird mir bewusst, dass das vielleicht das letzte mal sein wird. Vor Oktober werde ich nicht alleine zu ihm reisen, nur mit der ganzen Familie zusammen fliege ich im Juni nochmal hin. Und ich habe nicht vor, einfach eine Affäre weiterzuführen, das kann ich nicht. Auch wenn ich wirklich nicht weiß im Moment, was der richtige Weg ist, eine heimliche Affäre über längere Zeit ist es sicher nicht. 

Mit Javier läuft es nach wie vor gut, wir haben am Samstag sogar einen ganzen Tag miteinander verbracht ohne Kinder. Freunde treffen und dann Konzerte den ganzen Nachmittag/Abend – das war schön. Aber das timing war vielleicht ungünstig, zu nah an meiner Abreise, denn irgendwann habe ich pausenlos nur noch an Julian gedacht und ihn mir herbei gewünscht. Gerade wenn ich mal abends weggehe, mit Freunden  was unternehme, dann vermisse ich ihn ganz schrecklich, denn wenn er dabei ist, ist es immer zehnmal so schön. Das war schon immer so, auch als ich noch nicht in ihn verliebt war. An seiner Seite habe ich immer eine super Zeit. Er versteht sich super mit allen meinen Freunden und ich bin auch gerne mit seinen Freunden zusammen. 

Für Javier habe ich Gefühle, keine Frage. Und ich fühle mich auch sehr wohl in seinen Armen. Doch ist da noch Liebe? Das versuche ich herauszufinden… und das weiß er auch. Er weiß, dass ich die ganze Woche bei Julian übernachte und er ist auch in gewisser Weise alarmiert. Am liebsten würde ich viel offener mit ihm reden, aber ich sehe im Moment keinen Sinn darin, wenn ich unserer Ehe eine Chance geben will. Das einzige, was ich erreichen würde ist, mein Gewissen zu entlasten und ihn in eine tiefe Krise zu stürzen.  

Diese Woche möchte ich so viel Zeit wie möglich mit Julian verbringen und schauen, wohin das Ganze mit uns führt. Ich hoffe ich komme so einen Schritt weiter. Immer wenn ich denke, dass ich Unrechtes tue und mich schlecht fühle, versuche ich mich zu beruhigen indem ich mir wieder klarmache, dass ich mir das so nicht ausgesucht habe. In meiner Lebensplanung war so eine Episode absolut nicht vorgesehen. So viele Jahre (15!) waren meine Gefühle in einem sicheren Hafen und ich hätte mir im Traum nicht vorstellen können mich in einen anderen zu verlieben. Es hat mich überrumpelt und ich bin machtlos meinen Gefühlen ausgeliefert. Selbst mein Verstand gibt keinerlei Gegenwehr und das Gewissen hält sich die meiste Zeit vornehm zurück. Längst habe ich aufgehört mich zu wehren, es soll geschehen was geschehen muss, selbst wenn das heißt, ich stehe am Ende ganz alleine da. Besser, als krampfhaft an etwas festhalten was nicht mehr ist was es war und womit ich langfristig nicht glücklich bin.

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