Es war einmal…

In letzter Zeit reise ich oft gedanklich in die Vergangenheit, in die Zeit als ich Julian kennengelernt habe. Vor allem weil Julian immer wieder davon spricht, dass ich ihn damals hätte küssen sollen. Zum ersten Mal bin ich nicht mehr ganz so sicher, ob ich nicht zu blind gewesen bin?

Es war einmal…

…ein Abend im Juni 2010, als eine Geburtstagsfeier im Salsa-Schuppen endete und dort zwei verschiede Gruppen von Freunden zusammen trafen. Das kam meiner Freundin und mir wie gerufen, denn in der anderen Gruppe befanden sich auch zwei hervorragende Tänzer. Das wusste das Geburtstagskind und holte die beiden zur Tanzfläche. Julian war einer der beiden und tanzte bereitwillig mit mir. Nach einer Weile sagte er plump: „la primera Giri con la que bailo bien!” (So ähnlich wie: Die erste “gringa” mit der ich gut tanzen kann) Woraufhin ich ihn fragte woher er kommt. „Venezuela“. Das erklärte für mich alles. 

Hier muss ich ausschweifen: Ein Venezolaner hat einmal mein Herz gebrochen. Es war so schlimm, dass ich eine zeitlang allen Männer misstraute. Ich hatte mich mit 20 hoffnungslos in diesen Typ verliebt, der, während ich ein halbes Jahr in Venezuela gelebt habe (u.a. in seiner Familie) in Deutschland für ein Jahr war und dort eine Beziehung mit einer anderen angefangen hat ohne mir je davon zu erzählen. Als ich zurück nach Deutschland kam hat er mich diesbezüglich sogar angelogen, hat mich versetzt, etc. Ich war am meisten darüber schockiert, wie sehr ich mich in einen Menschen habe täuschen können, den ich SO nah an mich und meine Familie rangelassen hatte. 

So, 10 Jahre später lernte ich nun diesen Venezolaner namens Julian kennen. Es gab von Anfang an eine gewisse Chemie zwischen uns, aber die Blockade auf meiner Seite war groß. Hinzu kommt, dass ich schon verlobt war mit Javier und ich hatte mir geschworen, ihn kein zweites Mal zu verlassen. Julian war (ist) 4 Jahre jünger als ich und war zu der Zeit noch „illegal“ in Spanien. Julian fragte auch nicht nach meiner Nummer und nix, er kam gerade aus einer gescheiterten Beziehung und hatte keinen Kopf für sowas. Auf dem Weg zur U-Bahn hat er mir aber verraten, wie ich ihn auf Facebook finde. 

Er hat mich sehr interessiert als Mensch und er war der erste und bis jetzt einzige der so toll tanzen konnte wie mein „Ex“. Noch einmal so zu tanzen wie mit ihm war immer mein Traum gewesen. Diesen Traum hat mir Julian erfüllt. Und ich suchte ihn auf Facebook, sogar ausdauernd, denn es klappte nicht auf Anhieb. Von da an wurden wir Freunde. Vor allem feierten wir zusammen was das Zeug hielt, ob Salsa, Mittsommernacht oder Karneval… seine erste inner-europäische Reise, als er die Aufenthaltsgenehmigung bekam, war mit mir von Barcelona nach Köln, zum Karneval. Mit ihm hatte ich immer die beste Zeit!

Zweimal hat er versucht mich zu küssen. Als wir uns ein Jahr kannten das erste Mal. Ich habe es nicht zugelassen, habe gesagt ich könne das vor Javier nicht verheimlichen. Ich hielt an meinem Plan zu heiraten fest. Ab dann hat er nie wieder einen Versuch gestartet, hat mich als Freundin geschätzt und ist mir in keiner Weise je wieder nahe gekommen. Er hat mich immer sehr respektiert und hat mich nie enttäuscht. 

In den letzten beiden Jahren hat er sich mir gegenüber immer mehr geöffnet. Ich kannte ihn fast nur fröhlich und mit mitreißend guter Laune, jetzt lies er mich tief blicken in Probleme und tiefe Verletzungen aus der Vergangenheit. Ich fühle mich wahnsinnig geehrt, dieses Vertrauen verdient zu haben.  Wir kamen uns auf freundschaftlicher Ebene immer näher, er wurde trotz räumlicher Distanz (vor 3 Jahren sind wir nach Deutschland gezogen) zu meinem besten Freund. 

Gleichzeitig lief meine Ehe immer schlechter und vor ca. einem Jahr habe ich gemerkt, dass meine Gefühle für Julian nicht mehr nur freundschaftlich waren. Ich verliebte mich hoffnungslos in meinen besten Freund, dem für mich besten Tänzer aus dem für mich schönsten Land der Welt und nach einiger Zeit des erfolglosen Kampfes gegen die plötzlich entstandene körperliche Anziehung habe ich alle Blockaden aufgegeben und musste jetzt feststellen, dass er zusätzlich auch noch mit Abstand der beste Liebhaber ist!!! Sowas habe ich mir nie erträumen lassen und es haut mich regelrecht um. 

Doch kann aus uns wirklich ein Paar werden? Der Weg mag nicht einfach sein, die Voraussetzungen alles andere als ideal. Ob wir es schaffen oder nicht – darüber mache ich mir gerade keine Sorgen. Was für mich in diesem Moment zählt und was mich glücklich macht, ist, ihn in meinem Leben zu haben, so nah wie nie zuvor. 

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