Nähe und Distanz im Wechselspiel

Während Julian in Venezuela war haben wir ein paar mal mit Video telefoniert und ich habe mich sehr gefreut, mit seiner Oma und seinem Patenkind sprechen zu können. Seinem Patenkind hat er erzählt, sie würde mich bald kennenlernen… interessant, mir hat er von den Plänen nichts erzählt! Es war an Heiligabend als wir zum ersten Mal mit Video telefoniert haben. Ich habe es ganz offen und nicht heimlich gemacht, habe mich so gefreut, ihn zusammen mit der Familie dort zu sehen.

Es war mir nicht in den Sinn gekommen, es könnte für meinen Mann der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Es hat bis zum nächsten Tag gedauert, bis er sich wieder gefangen hat. Beinah wäre er weggefahren oder geflogen. Da er aber das Auto nicht vor der Tür gesehen hatte und die Flüge so teuer waren, hat er mir stattdessen eine Nachricht geschrieben und ist auf meine Ermutigung hin mit dem Fahrrad zu einer Familienfeier nachgekommen. Als er mir die Story am Abend erzählt hat mussten wir beide herzhaft lachen. Ich war froh, dass ich ausnahmsweise mal woanders geparkt hatte.

Julian ist seit Sonntag zurück aus Venezuela. Er hat sich seitdem eher spärlich gemeldet und ich aber auch. Ich habe auch kein Bedürfnis danach, mehr mit ihm zu chatten oder zu telefonieren. Ich bin froh, dass ich im Moment viel mehr im Hier und Jetzt lebe, als wahrscheinlich im ganzen letzten Jahr. Ich habe noch nicht mal das Bedürfnis im Moment, nach Barcelona zu fliegen. Wenn ich aber mal ganz ehrlich bin, dann ist das so, weil ich auch nicht das Gefühl habe, er wolle mich dringend sehen. Ich schütze mich und nehme Abstand so viel ich das gerade kann. Klar denke ich trotzdem viel an ihn und immer wieder denke ich über die Situation nach, aber längst nicht so viel wie vor Weihnachten noch. Ich bin auf dem Weg, die Situation so zu akzeptieren wie sie ist. Keinen Schritt weiter zu gehen, höchstens einen zurück. Das ändert aber nichts daran, dass ich auch in Zukunft Julian treffen und mit ihm Zeit verbringen will, so viel und so intensiv wie möglich.

Verständlicherweise ist das nicht so ganz kompatibel mit meinem Mann, ihm und auch mir wird das immer wieder klar. Wenn wir nicht über das Thema reden, läuft es so gut zwischen uns, dass er immer wieder Hoffnung bekommt, mich ganz zurückzubekommen. Und gleichzeitig habe ich immer wieder Hoffnung, eine Art offene Beziehung könnte doch klappen. Doch das ist nicht so und das wird uns beiden immer klarer. Ich kann mir aber nach wie vor nicht vorstellen, wieder exklusiv mit meinem Mann zusammen zu sein und ihm das geben zu können, was er von einer Beziehung erwartet: bedingungslose Liebe und Leidenschaft.
Um uns auf diesem Gebiet wieder näher zu kommen haben wir vor ein paar Tagen zum zweiten Mal Orgasmische Meditation ausprobiert und das war diesmal richtig gut. Wir haben danach miteinander geschlafen, ich war so erregt, dass ich das brauchte in dem Moment. Ihn habe ich danach mit der Hand befriedigt. Es kamen keine komischen oder traurigen Gefühle danach in mir hoch, aber auch keine super enthusiastischen Gefühle. Eher neutral.
Manchmal habe ich sogar Lust auf Küssen, aber eher selten. Und eher kurz und nicht lange und intensiv. Es fehlt da was… ich weiß nicht, ob es wiederkommen wird. Javier geht weiterhin super mit der Situation um, aber er hat natürlich auch seine emotionalen Höhen und Tiefen. Es sind aber mehr gute, positive Tage als schlechte. Doch er wird die Situation nicht langfristig so weiter mitmachen. Wenn sich beruflich eine gute Chance ergibt, dann wird er diese ergreifen, ohne Rücksicht auf Nähe zur Familie. Das finde ich völlig richtig so und ich wünsche es ihm. Und wer weiß, vielleicht würde ich ihn mehr vermissen als ich es mir jetzt vorstellen kann? Oder auch nicht, aber dann ist es sowieso der richtige Schritt.

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