Ein Entschluss ist gefasst

Gestern Abend hatten mein Mann und ich wieder ein sehr intensives, offenes und gutes Gespräch. Am Ende haben wir herumgesponnen und überlegt, wie es laufen müsste, wenn der Erhalt der Familie zum Wohle der Kinder unser höchstes Ziel wäre und unter welchen Bedingungen wir beide jeweils dazu bereit wären. Er hat angefangen seine Bedingungen nun nennen: 3mal die Woche Sex und Küssen auf den Mund. Ich meinte so: „Wie, etwa auch ohne dass ich Lust dazu habe?“ Und er hat dann mehr aus Spaß „Ja!“ geantwortet. Daraufhin habe ich einen Lachkrampf bekommen, obwohl es natürlich nicht lustig ist. Ich muss dazu sagen, ich darf eigentlich nicht so viel Lachen wegen einer Wunde am Mundwinkel. Wenn man nicht Lachen darf, ist es ja meist besonders schlimm. Nun gut, da er die Bedingungen so hochgesteckt hat, habe ich gleich auch hohe Forderungen gestellt, wie das bei einer Verhandlung erstmal so läuft. „Alle zwei Monate fliege ich eine Woche nach Barcelona, so wie bisher auch.“ Damit war mein Mann nicht einverstanden und hat mir die Situation mit einer vergleichbaren Geschichte nur mit vertauschten Rollen versucht näher zu bringen. Daraufhin haben wir die eher spaßhafte Verhandlung abgebrochen und Klartext geredet. Das tue ich eigentlich immer so gut ich kann, nur habe ich das Gefühl, die Botschaft kommt zwar bei ihm an, aber die Einsicht hält nie lange an. Sobald das Thema Julian wiederauftaucht, so habe ich das Gefühl, muss ich mich jedes Mal wieder von neuem erklären und er fällt jedes Mal wieder in ein Loch.
Gestern ist das Thema wiederaufgekommen, weil ich jetzt doch plane nach Barcelona zu fliegen und zwar mit meinen beiden Töchtern zusammen für vier Tage im Februar. Natürlich kann ich verstehen, dass das ihm gegenüber alles andere als einfühlsam ist. Zurecht hat er gesagt, dass unter diesen Umständen unsere Kinder bald mal bescheid wissen sollten was los ist. Wir sollten sie langsam darauf vorbereiten, dass sich Mama und Papa trennen werden. Wir müssen mal einen Kinderpsychologen kontaktieren und uns beraten lassen. Ich sehe das ein. Mein Mann hat Recht. Ich kann nicht länger egoistisch alles haben wollen, das ist mir ja schon lange vollkommen klar. Ich muss diesen Schritt gehen, unabhängig davon, ob ich nun mit Julian zusammenkomme oder auch nicht.
Ich bin niedergeschlagen und sehr traurig, dass es tatsächlich soweit kommen wird, ich habe mir das nie vorstellen können, schon gar nicht für unsere Kinder. Aber ich fürchte, ich muss das akzeptieren, denn so geht es nicht weiter und nach wie vor kann ich mich nicht 100% für meine Ehe entscheiden und exklusiv mit meinem Mann zusammen sein. Obwohl sich so viel verändert hat in den letzten Monaten und wir einen wahnsinnig guten Draht zueinander haben mittlerweile, sind einfach die nötigen Gefühle nicht da. Sie sind rein freundschaftlich / fürsorglich. Ich habe meinen Mann sehr lieb und schätze ihn jetzt mehr denn je. Ich genieße Zeit mit ihm und mit der Familie. Aber Liebe und Leidenschaft sind bisher nicht wieder gekommen.

Gefühle für Julian unterdrücken und mit Sehnsüchten leben – dieses Opfer wäre ich vielleicht sogar bereit für meine Ehe zu bringen. Aber darunter würde ja nicht nur ich leiden, sondern langfristig auch mein Mann und meine Kinder. Und ich müsste mich aktiv gegen Julian entscheiden, was für mich unvorstellbar erscheint und was ich unter keinen Umständen bereit bin ihm anzutun. Mit „gegen ihn entscheiden“ meine ich nicht mal unbedingt eine Beziehung oder eine Affäre, denn selbst eine Freundschaft in der Intensität wie wir sie haben wäre nicht möglich weiterzuführen. Also ist der Entschluss gefasst: mein Mann und ich werden uns trennen.

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