Unliebsame Einsichten

Heute Morgen habe ich meine jüngste Tochter kurz im Fahrradanhänger vergessen. Es war 2 min vor neun und ich bin mit meiner ältesten Tochter und ihrer Freundin in den Kindergarten reingestürmt und erst an der Garderobe habe ich gemerkt, dass die Kleine noch angeschnallt im Hänger sitzt. Das ist für mich unverzeihlich und ich bin untröstlich deswegen. Ich weiß nicht, ob ich es wieder gut machen kann.

Dieser Vorfall hat mich in ein tiefes Loch voller Selbstzweifel gestürzt. Und mir wird jetzt deutlich bewusst, dass ich mitten in einer Krise stecke. Vielleicht ist es so eine Art „midlife crisis“ (Ich muss mir auch eingestehen wie sehr ich neuerdings Angst vor dem körperlichen älter werden habe).

Hatte gerade ein gutes Gespräch mit meinem Mann und er hat erzählt was ihm klar geworden ist über meine emotionale Beziehung oder schon Abhängigkeit von Julian. Es klang plausibel und eigentlich hat er gesagt was mir wohl irgendwie schon ein wenig bewusst ist…was nur bisher nicht an die Oberfläche meines Bewusstseins angelangt war. Und zwar hat er darüber gelesen, wie jemand, der sich im Leben häufig als Opfer oder Pechvogel fühlt und darunter leidet, eine große Anziehungskraft auf jemanden ausstrahlt, der sehr, sehr sensibel ist und zu übertriebenen Helfersyndrom neigt. Bäm! Volltreffer? Hat mein Mann die Analysearbeit für mich gemacht, die mir meine Psychologin aufgetragen hat? Sie hat gesagt, dass ich herausfinden muss, warum ich mich in Julian verliebt habe. Die Erkenntnis dessen würde mich etwas lehren.

Und noch was habe ich heute gemerkt: Ich habe mich schwach gefühlt, unfähig es alleine zu schaffen. Dieser unverzeihliche Fehler mit meiner Tochter… das hat mir Angst gemacht und mir auf erschreckende Art und Weise meine Grenzen aufgezeigt und ich habe gedacht: „Ich kann das nicht leisten, der Berg ist zu steil und zu hoch für mich.“

Und das einzusehen hat mich nicht nur wachgerüttelt, sondern mir auch geholfen, mich mal in Julians Lage zu versetzten. Einer der Gründe, warum er vor einer Beziehung zurückschreckt, ist, dass er selber spürt, dass er nicht das einbringen kann was er gerne würde und was er für gut und richtig hält. Und von dem Gefühl wie es ist seine eigene Unfähigkeit zu spüren habe ich eine Kostprobe bekommen. Sofort habe ich auch daran gezweifelt, ihm eine gute Partnerin sein zu können. Man möchte ja keine Last für den anderen sein.

Ich werde jetzt erstmal anhalten und schauen. Nicht überstürzt handeln, sondern wohl überlegt. Ich muss mir meine Schwächen eingestehen und an mir arbeiten. Denn auch das hat meine Psychologin gesagt: wenn ich es als alleinerziehende Mutter versuchen will, dann muss ich vorher viel an mir arbeiten, damit ich emotional stark genug dafür werde.

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